Fenster zieht Zugluft — Dichtung testen & einstellen
Kalte Zugluft am Fenster? Dichtung prüfen und Beschläge einstellen löst das Problem meist ohne Handwerker.
Inhaltsverzeichnis
Auf einen Blick
Zugluft am Fenster kommt fast immer von einer defekten oder veralteten Dichtung, oder von falsch eingestellten Beschlägen. Mit dem Papiertest lässt sich in Sekunden prüfen, ob die Dichtung noch dichthält. Danach entweder Anpressdruck erhöhen oder Dichtung ersetzen — beides ist selbst gut zu erledigen.
Der Papiertest
Bevor du irgendetwas anfasst, prüfe mit diesem einfachen Test, ob und wo das Fenster undicht ist:
- Ein normales Blatt Papier (oder ein Geldschein) nehmen.
- Das Papier zwischen Fensterflügel und Rahmen einlegen und das Fenster schließen.
- Versuche, das Papier herauszuziehen.
Ergebnis: Lässt sich das Papier leicht herausziehen (oder fällt es sogar von selbst raus), ist an dieser Stelle der Anpressdruck zu gering — die Dichtung dichtet nicht mehr richtig ab. Den Test an mehreren Stellen rund um das Fenster machen.
Dichtung prüfen
Schau dir die Gummidichtung genau an. Bei alten oder billigen Fenstern altert die Dichtung und verliert ihre Elastizität.
- Risse oder Brüche: Sichtbare Risse im Gummi — Dichtung muss ersetzt werden.
- Verhärtet: Drücke mit dem Finger auf die Dichtung. Sie sollte nachgeben und zurückfedern. Wenn sie hart und unelastisch ist, hat sie ihren Dienst getan.
- Lücken: An Ecken oder Stellen, wo die Dichtung nicht mehr vollständig im Dichtungskanal sitzt.
- Zusammengedrückt und nicht mehr erholt: Wenn die Dichtung dauerhaft flach gedrückt ist und nicht mehr aufquillt.
Anpressdruck einstellen (Pilzköpfe verdrehen)
Moderne Kunststofffenster haben einstellbare Verschlussbolzen, sogenannte Pilzköpfe, die in die Schließbleche am Rahmen greifen. Durch Verdrehen dieser Pilzköpfe lässt sich der Anpressdruck des Fensterflügels erhöhen.
- Öffne das Fenster und suche die Pilzköpfe am Flügelrahmen — das sind kleine runde oder ovale Metallbolzen, die auf dem Beschlag sitzen.
- Mit einem Innensechskant (meist 5 mm) oder einem Schraubenzieher (je nach Modell) den Pilzkopf verdrehen.
- Eine Viertelumdrehung im Uhrzeigersinn erhöht den Anpressdruck (Fenster wird fester geschlossen).
- Fenster schließen und mit dem Papiertest erneut prüfen.
- An allen undichten Stellen wiederholen.
Nicht zu fest einstellen
Wenn der Anpressdruck zu stark erhöht wird, lässt sich das Fenster schwer öffnen und die Dichtung wird zu stark gequetscht — das beschleunigt den Verschleiß. Nur so weit einstellen, dass das Papier mit leichtem Widerstand herausgezogen werden kann.
Dichtung ersetzen
Wenn die Dichtung selbst defekt ist, muss sie getauscht werden. Das ist gut selbst zu erledigen.
- Alte Dichtung herausziehen. Sie ist meist in einer Nut eingeklemmt — einfach mit einem flachen Schraubenzieher lösen und herausziehen.
- Nut reinigen (alter Kleber oder Schmutzreste entfernen).
- Neue Dichtung im Baumarkt kaufen: Querschnittform beachten (rund/D-Form/P-Form), Breite der Nut messen.
- Neue Dichtung in die Nut eindrücken — bei selbstklebenden Dichtungen die Schutzfolie abziehen und aufkleben.
- An den Ecken die Dichtung leicht überlappend zuschneiden, damit keine Lücken entstehen.
Beschlag justieren
Wenn ein Fensterflügel auf einer Seite gut dichtet, auf der anderen aber nicht, kann der Flügel selbst schief hängen. Viele Kunststofffenster haben justierbare Scharniere (ähnlich wie Türscharniere mit 3D-Verstellung).
Am unteren Scharnier gibt es meist eine Einstellschraube für die Höhe, am oberen für die Neigung. Mit einem Innensechskant lässt sich der Flügel so ausrichten, dass er rundum gleichmäßig anliegt.
Fensterkitt prüfen
Bei älteren Holzfenstern sitzt das Glas in Fensterkitt (einer harten, kalkartigen Masse). Wenn der Kitt bröselt, rissig oder sogar stellenweise ausgefallen ist, kommt Zugluft und Feuchtigkeit zwischen Glas und Rahmen. Abgebröselten Kitt mit einem Stechbeitel entfernen und durch neuen Fensterkitt (aus dem Baumarkt) ersetzen. Nach dem Trocknen streichen.
Dichtung pflegen
Um die Lebensdauer der Dichtung zu verlängern, sollte sie einmal jährlich (am besten im Herbst vor dem Winter) mit Gummipflegemittel oder Glycerin eingestrichen werden. Das hält die Dichtung elastisch und verhindert, dass sie bei Kälte klebt.
Fazit
Papiertest durchführen, Pilzköpfe nachstellen, Dichtung prüfen — in dieser Reihenfolge lässt sich Zugluft am Fenster in den meisten Fällen ohne Handwerker beheben. Eine neue Fensterdichtung kostet ein paar Euro und ist selbst verlegt schnell erledigt.